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Die Gangolfskapelle

 

 

Südöstlich der Stadt steht auf dem Hamelsberg die Gangolfskapelle, die im Jahr 1597 errichtet wurde. Auch sie ist ein Bau der Gegenreformation unter Bischof Julius Echter und ersetzte einen Vorgängerbau aus dem Jahr 1496, der jedoch während der Reformation verfiel.

Es handelt sich um einen ungegliederten rechteckigen Bau mit halbrunder Apsis. Im Schnittpunkt des Apsisdaches und des Langhausdaches wurde ein Glockentürmchen aufgestellt, das eine geschweife Haube trägt. Die Apsis besitzt an ihrer Südseite ein spitzbogig geschlossenes Fenster, an der Ostseite im Obergeschoß ein rechteckiges Fenster. In die südliche Traufseite des Langhauses wurden zwei Rundfenster in gleicher Höhe eingesetzt, hier liegt der Kapellenzugang. Eine später hinzugef'ügte steinerne Treppe an der nördlichen Traufseite, die von außen zur Empore f'ührte, wurde bei der letzten Kapellenrenovierung wieder entfernt.

Im Inneren sieht der Betrachter eine einheitlich gute Ausstattung, die zeitgleich mit der Ausstattung der Pfarrkirche ausgeführt wurde und vermutlich von denselben Leuten geschaffen wurden, die auch in der Kirche tätig waren. In der Apsis wurde der Hochaltar aufgestellt, in dessen Rücklagentravee, die von Pilastern gebildet wird, eine halbrund geschlossene Nische freigelassen wurde. Die Nischenöffnung wird von reichem Muschelwerk umrahmt, sie durchbricht das Kämpfergebälk des Altaraufbaus. Vor die Rücklagentravee wurde eine verbreiterte Pilastertravee gesetzt, vor der seitlich schräg gesetzte Piedestale stehen. Auf den Piedestalen stehen, wie bei den beiden Hauptschiffaltären der Pfarrkirche, Rocaillevoluten anstelle der vermuteten Säulenschäfte. Sie sind über das Gebälk mit den Pilastertaveen verbunden.

In die freigehaltene Nische wurde das reich vergoldete und versilberte Gnadenbild der Pieta gestellt, die Darstellung der schmerzhaften Muttergottes mit ihren toten Sohn auf den Knien. Das Herz Mariens wird mit einem Schwert durchbohrt. Sie beklagt den Opfertod Jesu Christi mit zum Himmel erhobenen Augen. An den äußeren Pilaster werden die Leidenswerkzeuge Christi vorgezeigt, am linken Speer und Hammer, am rechten Schwamm und Zange.

Im linken Seitenaltar steht in einer Nische die Figur des Heiligen Gangolf, der als Ritter in Rüstung und mit Helm dargestellt wird. Die Nische wird durch einen Rocaillerahmen mit Baldachin gebildet.

Von Gangolf, einem fränkischen Ritter am Hofe Pippins, geht die Legende, daß er sich ob der Untreue seiner Frau in die damals noch weiträumige Einsamkeit zurückgezogen habe, jedoch vom Liebhaber seiner Frau aufgefunden und erstochen wurde. Gangolf kann als früher Lokalheiliger des ostfränkischen Reiches angesprochen werden. Weshalb seine Verehrung in Fladungen eine Rolle spielte, läßt sich nicht mehr feststellen.

In der wiederum durch eine Rocaillerahmung gebildeten Nische des rechten Seitenaltares steht die Figur des Heiligen Wendelin in der Darstellung eines Hirten mit Hirtenstab und einer Kuh zu seinen Füßen. War Gangolf ein Heiliger, der schon frühzeitig Verehrung im Fränkischen genoß, erfuhr Wendelin erst später Altarweihen. Er wurde zum Patron der Hirten erkoren und löste lokal das frühere universelle Hirtenpatrozinium des Heiligen Antonius Abbas ab. Das Figurenprogramm der Kapelle besitzt somit mit Ausnahme des Gnadenbildes eindeutig lokalen Charakter.

An den Wänden des Langhauses wurden weitere Heiligenfiguren auf Konsolen aufgestellt, die allgemeine Verehrung genossen: der Heilige Josef, der bei Pest angerufene Heilige Sebastian, der Heilige Johann Nepomuk und der Heilige Antonius von Padua.

Vor der nördlichen Traufseite steht ein Kreuzdachbildstock, der im Jahr 1626 vom damaligen Amtskeller von Fladungen, Laurentius Wolfhart gestiftet wurde. Er zeigt auf seinen vier Ansichtsseiten die Darstellungen des Frankenmissionars Sankt Kilian, der Muttergottes auf der Mondsichel, den Ritter Sankt Gangolf und den Kalvarienberg und nimmt somit das Patrozinium der Kapelle, Sankt Gangolf und Maria, thematisch wieder auf.


Vor der Kapellenapsis, von dieser etwas weggerückt und nach Osten gewandt richtete im Jahr 1774 der Fladunger Bürger Georg Erb und dessen Ehefrau Anna, geborene Rederin, zum Andenken an seine Eltern, dem Schreinermeister Johannes Erb von Fladungen und dessen ebenfalls verstorbene Ehefrau Elisabetha eine Kreuzigungsgruppe auf. Zusammen mit dem Bildstock verweist sie auf die in früherer Zeit oft getätigte Stiftertätigkeit von Privatpersonen, die in unseren Tagen weitgehend verschwunden ist. Diese privaten Stifter zeichnen verantwortlich f'ür die Vielzahl von Flurdenkmalen, die heute noch im fränkischen Land bewundert werden können.

Die sehr bewegende und wirkungsvoll stehende Kreuzigungsgruppe besitzt eine durchgehende gestufte Basis, auf der sich drei unabhängige, im Umriß geschweifte Sockel erheben, die mit reichem Muschelwerk dekoriert sind. Auf dem mittleren Sockel, der breiter ausgeführt wurde, steht das Kreuz, an dem der Herr hängt. Zu Füßen des Kreuzes sieht man die drastische Darstellung des Totenkopfes. Links des Kreuzes sieht man Maria, die sich dem Schmerz über ihren Sohn hingibt, rechts des Kreuzes steht Johannes, der, nicht minder von Schmerz bewegt, zum Kreuz aufblickt. An den Seitenflächen des Kreuzsockels wurden die Stifterinschriften angebracht.

Nördlich der Kapelle, in einer ausgebrochenen Vertiefung des Kalkhügels wurde in unserem Jahrhundert eine Lourdes-Grotte eingerichtet, die erst kürzlich durch die Fladunger Kolpingfamilie einer Renovierung unterzogen wurde. Sie ist eines der wenigen Beispiele zeitgenössischer Stiftertätigkeit.

 

 

Quelle:
Stadtführer Fladungen

 

 


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